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  • Weisheit ist für die Praxis
  • Weisheit ist angewandtes Wissen
  • Weisheit verbreitet sich selbst

Weisheit ist für die Praxis

Weisheit ist für die Praxis, nicht für ständiges Sprechen. Wenn wir immer wieder über die Meister, die Strahlen und die Hierarchien sprechen, verpassen wir nur unsere Pflichten für die Gegenwart.

Weisheit ist angewandtes Wissen

Angewandtes Wissen wird zur Weisheit. Wir erwerben viel Wissen, doch es muss im täglichen Leben angewendet werden, dann verwandelt es sich in Weisheit. Durch Weisheit werden wir die Existenz erfahren.

Weisheit verbreitet sich selbst

Wir brauchen nicht darum besorgt sein, die Weisheit zu verbreiten, ohne mit ihr an uns selbst zu arbeiten. Es ist ein falsches Verständnis, wenn man glaubt, die Weisheit verbreiten zu können. Die Weisheit weiss, wie sie sich selbst verbreiten. Sie braucht keine Kanäle.

Yagna

Für andere leben

Yagna

Wir Menschen leben in der materiellen Welt, um unseren Mit-Lebewesen zu dienen und sie emporzuheben. Wenn wir dies tun, erfahren wir Erfüllung, denn der Schlüssel zu unserer eigenen Erfüllung liegt im Dienst an den Mit-Lebewesen und nicht im Versuch, uns selbst zufrieden zu machen. Alle Wesen werden als Mit-Lebewesen betrachtet, nicht nur die Menschen.

Es gehört zum göttlichen Plan, dass wir für die Zufriedenheit anderer sorgen, indem wir versuchen, ihre Bedürfnisse zu erfüllen und dadurch selbst Zufriedenheit erlangen. Gemäss dem ursprünglichen Plan inkarnieren wir uns in regelmässigen Abständen auf dem Planeten, um unsere Mit-Lebewesen emporzuheben, und dadurch verdienen wir, hier zu existieren. In den östlichen Schriften heisst es, dass der Mensch mit jedem Atemzug seine Mit-Lebewesen erfüllen soll und so alle Atome in den Geweben seines Körpers erfüllt werden. Dieser Dienst an unseren Mit-Lebewesen wird ‘Yagna’ genannt - eine Handlung, durch die wir die Mineralien, die Pflanzen, die Tiere und die Mitmenschen erfüllen.

Der vedische Begriff ‘Yagna’ wird in unvollkommener Weise als ‘Opfer’ übersetzt, denn er geht weit darüber hinaus. Yagna bezeichnet in der höchsten Weisheit das Handlungsprinzip, das als ein ewiges Muster aus dem ewigen, unzerstörbaren, namenlosen und formlosen Einen hervorkommt. Das schöpferische Bewusstsein durchflutet und begründet alles durch Yagna, das Rad des Opfers. Opfer bedeutet, nicht für sich selbst zu leben, sondern für andere - ein selbstloses Leben statt einem egoistischen Leben.

Das Rad des Opfers

Die Schöpfung läuft als Yagna ab, sie geschieht nicht für den Schöpfer. Die kosmischen, solaren und planetarischen Devas, die Tiere, Pflanzen und Mineralien existieren alle für andere, nicht für sich selbst, und auch die Menschen sollten so leben. „Arbeit als Opfer ist göttliches Karma, und Arbeit für sich selbst ist individuelles Karma“, sagt die Bhagavad Gita. Im dritten Buch, dem ‘Buch der Handlung’, sagt der Herr, dass alles aufgrund der Umdrehung des unsichtbaren Rades stattfindet, welches Yagna, Opfer, genannt wird. „Die Opfertätigkeit ist ein Rad, das sich innerhalb und ausserhalb der Schöpfung dreht. Die Schöpfung ist von ihm gewoben. Alle miteinander verketteten Handlungen von Ursache und Wirkung in dieser Schöpfung sind wie ein Rad aufgebaut: Es gibt keinen Anfang und kein Ende, nur Drehung…“

Durch die zyklische Bewegung des Planeten wird Regen verursacht und dabei bewegt sich das Wasser vom unsichtbaren zum sichtbaren Zustand und vom sichtbaren zum unsichtbaren Zustand. Durch die Keimungs- und Fortpflanzungsfähigkeit des Wassers wachsen die Pflanzen und es entsteht die Nahrung, die auch vom Regen wieder aufgefrischt wird. Tiere und Menschen nehmen Pflanzen als Nahrung zu sich und ernähren sich teils auch von Tieren. Durch die jahreszeitlichen Aufwärts- und Abwärtsbewegungen sorgt die Natur für die Ernährung der Lebewesen. Durch die Bewegung des unsichtbaren Rades führt der Herr selbst um der Lebewesen willen das Opfer aus und wir sollten diesem Yagna folgen: „Folge dem Lauf dieses Rades. Tue, was es tut, dann hast auch du Yagna ausgeführt. Wer nicht mitarbeitet, wird sich im sinnlichen Genuss verlieren.“

Befreiung durch Geben

Wenn wir für uns selbst leben und arbeiten, schaffen wir Wellen in der Schöpfung. Unser Motiv liegt in uns selbst und unser Handeln löst eine Folge von Kettenreaktionen aus, die dem Motiv entsprechen. Die Wirkung kehrt zu uns zurück. Das Ergebnis ist eine selbst geschaffene Begrenzung, die uns als unser individuelles Karma einschränkt und bindet. Handlungen für andere gehen nicht von uns aus; das Motiv liegt nicht in uns. Selbstlose Aktivität bindet nicht, sondern ermöglicht die Ausdehnung des Bewusstseins.

Durch Geben werden wir befreit und durch Empfangen gebunden. Wir können empfangen, vorausgesetzt wir geben auch. Wenn wir mehr geben als was wir empfangen, sind wir auf dem Pfad des Aufstiegs. Empfangen wir aber mehr als wir geben, dann befinden wir uns auf dem Pfad des Abstiegs. Deswegen fahren die Wissenden fort, zu geben. Die Gesellschaft denkt, sie dienen und opfern, aber sie wissen, dass es weder Dienst noch Opfer, sondern ein Zurückzahlen der Schulden ist, ein Beseitigen des Karmas. Dienst wird in Dankbarkeit jeden gegenüber getan, die von uns empfangen. Wenn sie nicht empfangen würden, wie könnten wir uns befreien? Deswegen sagen die östlichen Schriften, dass der Gebende denken sollte, dass der Empfänger göttlich ist. Wenn wir denken, dass wir dienen, dann ist die Seele des Dienens verloren.

Mit Liebe als Grundlage kann ein Opfer leicht durchgeführt werden. Wenn wir eine liebevolle Haltung jemandem gegenüber haben, so gibt es kein schmerzliches Gefühl beim Geben. Wenn Opfer und Verzicht täglich gelebt werden, wie in einer Partnerschaft und mit eigenen Kindern, empfinden wir beides nicht, denn es ist für uns natürlich geworden, uns so zu verhalten.

Es ist wichtig, nicht die Freude am Teilen zu verlieren. Wenn wir Schmerz beim Opfern verspüren, ist dies ein Zeichen, dass wir warten und uns nicht drängen sollten. Wir spüren einen Schmerz, weil wir verhaftet sind. Etwas beim Geben zu verspüren, ist unnatürlich. Es entsteht, wenn wir nicht genug Liebe in uns haben. Im Osten gibt es einen Spruch: „Gib nicht, wenn du fühlst, dass du gibst. Diene nicht, wenn du fühlst, dass du dienst. Opfere nicht, wenn du fühlst, dass du opferst.“ Die Gefühle bilden bei unseren Handlungen einen rauchigen Anteil. Gefühle beschäftigen sich im Allgemeinen mit uns selbst oder mit anderen. Je mehr wir in Gefühlen leben, desto mehr Rauch entsteht und desto weniger können wir sehen.

Es gibt ein Handeln ohne solche Gefühle, das uns das Licht der Seele bringt und uns die Richtung unseres Handelns ohne Rauch sehen lässt. Ein Eingeweihter handelt in einen ‘grundlosen’ Zustand um der Handlung willen. So löst sich allmählich sein Kausalkörper auf und sein Bewusstsein geht in das Seelenbewusstsein auf. Der Eingeweihte ist dann ausserhalb der Folgen seines Tuns.

Wenn wir auf die buddhische Ebene, in das Licht der Seele emporsteigen, ist Geben eine Freude. Indem wir den Einen sehen, realisieren wir, dass es so etwas wie Dienen und Opfer nicht gibt. Unsere Vorlieben und Abneigungen, unsere Ansichten und Motive machen Seinem Plan Platz. Die eigene Persönlichkeit wird überschritten. Es ist aber nicht leicht, die eigene Persönlichkeit zu überschreiten und zu opfern. Wir können nicht über Nacht über unsere Persönlichkeit oder unser Ego hinausgehen, doch nur so kann die Seele vollkommen geboren werden und hervorstrahlen. Es erfordert, unsere eigenen Meinungen, Vorlieben und Abneigungen zurückzustellen und unsere Ressourcen und Fähigkeiten zum Nutzen des umgebenen Lebens zu verwenden.

Um das Eine Bewusstsein zu erfahren und durch uns wirken zu lassen, müssen die Beschränkungen oder Grenzen unserer Persönlichkeit auf den verschiedenen Ebenen aufgelöst werden. Dies ist bei der dritten Einweihung der Fall, wo die Kandidaten sagen: „Alles für Dich, mit Freude opfern wir uns, benutze mich, wie Du es möchtest.“ Sie schweigen, auch gegenüber weltlichen Angriffen. Ihr Kopf wird symbolisch abgeschnitten, ihre Zunge herausgezogen und ihr Körper wird den Geiern vorgeworfen. Sie sind bereit, ihre Persönlichkeit für den Plan zu opfern. Das bedeutet, sie haben sich dem Dienst geweiht bis hin zum Selbst-Opfer, um die Gunst des Herrn zu erlangen und mit Ihm zu verschmelzen. So kommen sie zur vierten Einweihung.

Purusha und Selbsthingabe

Erzählungen und Lehren darüber haben eine direkte Wirkung auf das Erwecken der Seele. Unser Bewusstsein spürt unmittelbar, dass das Gesagte wahr ist. Es gibt Tausende von Wegen, um die Wahrheit zu erreichen und keinen ausschliesslichen Weg. Der Weg, für den wir uns entscheiden, entspricht unserer Seelenqualität.

Wir sind alle nach dem Bilde und Gleichnis der ursprünglichen Gestalt geschaffen, die der kosmische Mensch genannt wird. Er ist der Ursprung und wir sind Kopien dieses Prototypen; nach ihm wurden alle menschlichen Formen gebildet. Es ist die Essenz aller Weisheitslehren, dass wir als „ICH BIN” eine Kopie des ersten „ICH BIN” sind, das in den Veden als „DAS” bezeichnet wird oder die kosmische Person, und wir gehen schliesslich mit unserer Identität in „DAS” ein.

Die kosmische Person wird im Sanskrit Purusha genannt; dem Wesen nach können wir sie als den kosmischen Christus bezeichnen. Als Schritt auf unserem Weg zu der Erkenntnis „DAS BIN ICH” wird empfohlen, regelmässig die Purusha-Hymne aus dem Rig Veda zu singen. Meister E.K. gab 1982 und 1983 in Genf tiefgründige Kommentare zu dieser Hymne vom Opfer der kosmischen Person. Die Devas der kosmischen Ebene vollzogen mit Purusha ein Opfer, das Sarvahuta Yagna genannt wird, das allumfassende Opfer oder Opfer des Menschen. Sie holten den kosmischen Menschen aus dem kosmischen Ei hervor, banden ihn an einen vertikalen Pol – die Raumachse - und kreuzigten ihn im Raum, festgemacht am vierarmigen Kreuz. Sie opferten ihn wie ein Tier, um die Schöpfung mit ihren sieben Ebenen vorzubereiten und die Ebenen mit seiner Essenz zu erfüllen. Durch dieses grosse Opfer kamen die ganze Schöpfung und die Lebewesen, die sie bewohnen, ins Dasein. Diese Opferform bleibt gültig, solange die Schöpfung dauert. Das ist die ursprüngliche Idee der Kreuzigung.

Der Pfad der Selbsthingabe ist der schwierigste Pfad. Er wurde selten in solch einem Ausmass und freiwillig demonstriert wie von Jesus, dem Christus, um einen Aufstieg der Menschheit herbeizuführen, so dass das Gesetz der Liebe, das Licht der Weisheit und die Kraft des göttlichen Willens von der Menschheit besser verstanden und akzeptiert werden. Wir können den kosmischen Menschen in unserem eigenen Wesen visualisieren und Opfer bringen, um uns ihm anzuschliessen.

Verwendete Quellen: K.P. Kumar: Herkules. Edition Kulapati. D-Münster (www.kulapati.de). Div. Seminarnotizen. E. Krishnamacharya: Lessons on Purusha Sooktam. Kulapathi Book Trust, Indien