Das Rad
Ursache und Wirkung
Alle Handlungen in dieser Schöpfung sind durch Ursache und Wirkung miteinander verkettet. Wir denken, etwas sei die Ursache eines Ereignisses, aber warum ist diese Ursache entstanden? Es wird eine andere Ursache für diese Ursache geben. Wenn wir nach der Ursache einer Wirkung suchen, führt uns die Suche zu einer Kreisbewegung. Von den Wurzeln kommen wir zu den Ästen und von den Ästen zu Wurzeln.
Unsere Handlungen verursachen Energien, die sich wie in einem Rad drehen. Wir werden niemals den gesamten Anfang sehen. Es gibt keinen Anfang und kein Ende, nur Drehung. Lord Krishna sagt in der Bhagavad Gita: „Werde nicht müde bei deiner Jagd nach Ursachen und Wirkungen.“ Der Herr gibt das Beispiel eines Banyanbaums, wo die Äste zu Wurzeln werden und aus den Wurzeln sich wiederum Äste entwickeln. Die Wurzel ist der zukünftige Ast, und der Ast ist die zukünftige Wurzel. Was ist also Ast und was ist Wurzel? Krishna sagt: „Sieh, wie sich das Rad dreht.“
Ursache und Wirkung bilden das Rad in der Schöpfung. Es gibt weder Anfang noch Ende, es gibt nur Umdrehung. Die Schöpfung ist Sein Gewebe, und durch die Rotation kommt die Schöpfung aus Ihm hervor. Die Welten existieren durch das Gleichgewicht des Rades und die Schöpfung verschwindet auch wieder darin. Das Rad rotiert innerhalb und ausserhalb der Schöpfung, es existiert und dreht sich ewig.
Lord Krishna gibt ein Beispiel für das Rad: Das Wasser wird von uns verschmutzt durch Waschen, Trinken, Urinieren… All dieses Wasser wird durch den Wasserkreislauf destilliert und gereinigt. Es wird als Wolken aufgenommen und kehrt als gereinigtes Wasser auf die Erde zurück. Wenn das Wasser die Erde berührt, keimt der Samen zu einem Baum und trägt Früchte. Durch den Kreislauf des Stoffwechsels existiert das biologische Reich. Und durch den Wasserkreislauf existieren der Stoffwechsel und andere Kreisläufe. Der Wasserkreislauf existiert durch den Kreislauf der Jahreszeiten. Dieser Kreislauf existiert wegen der Rotation der Erde um ihre eigene Achse. Ihre Rotation um die Sonne hält sie in einer Drehbewegung aufgrund der Gravität - die Sonne zieht die Erde durch Gravität zu sich. Die Sonne liebt die Erde. Die Wahrheit unseres Universums ist, dass alles Liebe und Mitgefühl ist. Das sich ewig drehende Rad wird das Rad des Mitgefühls oder das Rad des Gesetzes genannt. Dieses Rad hat keinen Antrieb, nur die Freude am Drehen. Wegen dieser Freude am Drehen sind wir alle hier.
Es gibt kein Ende der Dinge, da es keinen Anfang gibt. Das grosse Rad kann ewig erlebt werden. Diejenigen, die sich darauf einstimmen, sind die Glücklichen.
Krishna sagt: „Folge dem Lauf des Rades. Tue, was es tut.“ Um dem Rad zu folgen, müssen wir schöpferisch sein. Das schöpferische Bewusstsein kommt aus dem ewigen, namenlosen und formlosen Einen hervor. Es durchflutet und begründet alles durch das Rad, sei es Pflanze, Tier, Mensch, Planet. Durchflutende Kreativität ist nichts anderes, als sich dem ewigen Muster anzubieten und dadurch weiterzubestehen.
Immer neu und nie zuvor
Das Gesetz der Kontinuität lässt die Schöpfung fortbestehen und voranschreiten. Die Schöpfung arbeitet zyklisch, und jede Runde ist der vorhergehenden ähnlich, aber nicht gleich. Die Abschnitte und Zeitalter bleiben im Grossen und Ganzen dieselben, während die Details etwas haben, das immer neu ist. Aufwachen, Denken, Handeln, Essen und Ausruhen geschehen täglich, aber immer neu. Jeder Zyklus hat seine eigene Frische. Die Schöpfung wird deshalb im Sanskrit „Navanita“ genannt, d. h. frisch entworfen und immer neu, und auch „Apurva“, was „nie zuvor“ bedeutet. Wer diese Pracht des immer Neuen im Alltags erkennt, betritt das Reich des grossen Rituals der Schöpfung. In diesem Gewahrsein ist Freude.
Meist sind wir jedoch mit den gleichen Gedanken und der gleichen Routine beschäftigt. Wir tun immer wieder die gleichen Dinge - wir kümmern uns um unseren Körper, unsere Nahrung, Kleidung, Familie. Wir versuchen, für unseren Lebensunterhalt zu arbeiten, unser Leben abzusichern. Es herrschen weltliche Gedanken vor. Die tägliche Routine wird zu einer leblosen Angelegenheit, und wir bewegen uns kreisförmig wie ein Hamster in seinem Rad. Das bedeutet, dass wir uns selbst Grenzen setzen, uns darin bewegen und uns ständig im Kreis drehen. Wir werden geboren, tun die gleichen Dinge und erleben wieder den Tod. Viele Geburten hindurch tun wir immer wieder die gleichen Dinge. So gibt es keine Entfaltung.
Meister Djwhal Khul bezeichnet eine solche kreisförmige Bewegung als das Gesetz der Ökonomie, das die Wesen dazu konditioniert, in kreisförmigen Bewegungen dort zu bleiben, wo sie sind. Diese Kreisbewegung muss von uns selbst überwunden werden, indem wir uns qualitativ besseren Gedanken zuwenden, die ein besseres Handeln ermöglichen. Ein besseres Handeln ermöglicht dann wieder bessere Gedanken. Ein höheres Denken ermöglicht uns, einen grösseren Rahmen zu überblicken. Wir können im Leben das Neue sehen in dem, was jeden Tag in derselben Routine zu uns kommt, da wir genügend Interesse an ihr entwickelt haben. Wir haben die Routine in ein Ritual umgewandelt. Der Kreis wird so zur Spirale.
Zyklische und spiralförmige Bewegung
Wenn wir vorankommen möchten, können uns unsere alten Gewohnheiten begrenzen und zurückhalten. Wir versuchen es erneut, und immer wieder holen uns alte Gewohnheiten ein. An dieser Stelle müssen wir einige Gewohnheiten aufgeben und neue Gewohnheiten annehmen, die uns nach oben führen. In der spirituellen Astrologie wird es die Umkehrung des Rades auf dem Pfad der Rückkehr genannt.
Durch Dienst bewegen wir uns über unser eigenen System hinaus und in ein grösseres System hinein. Wir beginnen zu verstehen, was für die Entwicklung der Menschheit bedeutsam ist und welche Aktivitäten nicht weiterführen. Wir lernen, die Bedürfnisse der anderen mehr wahrzunehmen. Während wir dienen, vergessen wir unsere eigenen Bedürfnisse. Solche selbstlos dienenden Personen sind für die Natur wertvoll. Daher sorgt die Natur dafür, dass andere beginnen, sich um unsere Bedürfnisse zu kümmern.
Selbstloses Dienen führt uns von der zyklischen Bewegung zur spiralförmigen Bewegung. Die Spirale ist auch kreisförmig, aber sie bewegt sich mit jeder Umdrehung weiter. Wir wachsen Jahr für Jahr in unserem Bewusstsein. Wir sind dann in der Lage, immer mehr Wissen zu erlangen und dieses Wissen in unserem Denken, Reden und Handeln zu manifestieren. Dies ist das zweite Gesetz, das Gesetz der Anziehung und Abstossung. Es bedeutet, sich nach oben oder unten zu bewegen. Nach oben zu bewegen bedeutet, in eine andere, höhere Ebene der Existenz zu gelangen.
Auf dem spiralförmigen Pfad wirkt das Gesetz der Anziehung zu Höherem. Gebete und Lehren helfen, uns zu erheben, aber sie können zu einer eintönigen kreisförmigen Tätigkeit werden, wenn wir nicht wissen, wie wir sie anwenden. Es braucht praktische Anwendung. Ohne praktische Anwendungen erfüllen die Gebete und Lehren uns nicht.
Der zyklische und der spiralförmige Pfad werden vom Gesetz der Synthese regiert. Synthese heisst, zu erkennen, dass DAS jenseits aller Vorstellungen ist. Es ist das Hintergrundbewusstsein, aus dem alles hervorkommt. Wenn wir es wahrnehmen, erreichen wir die Synthese. Das ganze Buch „Eine Abhandlung über kosmisches Feuer“ von Alice A. Bailey ist eine Erklärung der Gesetzes der Ökonomie, der Anziehung und Abstossung und der Synthese. Auf dem Pfad des Yoga der Synthese wird uns nahegelegt, täglich zu überprüfen, wie oft wir DAS in anderen Menschen gesehen haben. DAS in allem zu sehen, bedeutet, sich in dem DAS zu verankern. Dies führt uns aus dem Kreislauf von Ursache und Wirkung heraus.
Chakren und Lotusse
Das eine Rad gibt es in den sieben Ebenen der Schöpfung mit unterschiedlichen Graden von Materie, Schwingung und Licht, und so gibt es sieben Räder. Diese sieben Räder gibt es auch in uns als die sieben Chakren. Ein Chakra führt eine kreisförmige Bewegung aus, die eine Begrenzung verursacht, bei der wir immer mit den gleichen Gedanken, der gleichen Routine beschäftigt sind.
Durch den Aufbauprozess der Antahkarana (können neue Zentren entstehen, die entsprechende Sekretionen bewirken. Aus den Chakren werden Lotusse geboren. Das Herzchakra unterscheidet sich vom Herzlotus. Der Herr im zwölfblättrigen Chakra des Herzzentrums wird Vasudeva genannt, der sich opfert, im Tierkreis der zwölf Sonnenzeichen zu wohnen. Der Herr des achtblättrigen Lotus ist Narayana, der über alle involutionären und evolutionären Prozesse der Schöpfung den Vorsitz hat. Selbst das Sahasrara hat sein höheres Zentrum, das Sahasradala Padma, den tausendblättrigen Lotus. Die neuen Zentren, entfalten sich durch den Aufbauprozess der Antahkarana und führen zu unserer Befreiung.
Sudharshana
In der puranischen Symbolik trägt Vishnu, der Herr der Durchdringung, auf der Fingerspitze seiner rechten Hand das rotierende Rad der Zeit, welches das GESETZ manifestiert. Das Gesetz manifestiert sich, um durch eine jede Schöpfungseinheit hindurch in die Objektivität hervorzuleuchten. Das Rad dreht sich um den gebieterisch erhobenen Finger des Herrn. Es ist seine Waffe, welche die Hindernisse der Schöpfung zerstört und Seine Anhänger beschützt. Es wird das Rad des Lichts genannt oder auch der gute Anblick („Sudarshana“), da von allen geometrischen Mustern der Kreis die Figur der Vollendung ist. Der Kreis hat einen Anfang und ein Ende, da er zusammen mit dem Punkt in der Mitte aus dem Hintergrund der Ewigkeit hervorkommt und in ihn hinein verschmilzt.
Wenn wir mit dem Rad der Zeit beschenkt werden, bekommen wir das Wissen von der Zeit und haben eine gute Vision. Die Vision von den Dingen, die kommen sollen und auch kommen; die Vision von den Dingen, die geschehen sind, sowie die Vision, was wir jetzt zu tun haben. In diesem Fall können wir ganz klar erkennen, wer wir sind und was uns umgibt. Wer dieses Wissen von der Zeit hat, kann das Selbst erfahren.
Verwendete Quellen: K.P. Kumar: Spirituelles Heilen. Div. Seminarnotizen. E. Krishnamacharya: Spirituelle Astrologie. Edition Kulapati. D-Münster (www.kulapati.de).







