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Master Morya

  

        MEISTER MORYA

(Auszug: Von den Höhlen und Dschungeln Hindustans)
Teil 25:

Brennende Hitze Die ruhige Haltung des Thâkurs Enthüllende Gespräche mit dem Thâkur Die geheimnisvollen Kräfte des Thâkurs

 

 

In ganz Bhurtpore und möglicherweise im ganzen Königreich der Jats mit ca. 100.000 Einwohnern gibt es keine europäischen Ärzte, sondern nur eingeborene 'Hakîms' (Ärzte). Da es undenkbar war, noch heute irgendwo hin zu gehen, trugen wir, nachdem wir unseren Wagen bis zum nächsten Morgen fortgeschickt hatten, die arme englische Frau in das kleine Zimmer des Telegraphisten der ebenso kleinen Bahnstation und versuchten sie mit den Mitteln, die uns zur Verfügung standen, zu Bewusstsein zu bringen. In der Station gab es kein Eis, das erste bei einem Sonnenstich einzusetzende Mittel. Wir erinnerten uns an das Eis, das der blonde Spion in seiner Whiskeykiste mit sich führte, und sandten Mr. W., dass er seinem Landsmann von unserem Missgeschick erzähle, und um ihn zu bitten, der sterbenden Engländerin einen kleinen Teil seines Vorrats abzugeben, bis uns von Âgra Eis gebracht worden war. Der Spion hörte sich höflich die Bitte an und – lehnte sie ab. Ein Stückchen Eis würde nicht viel helfen, und er selbst könnte aufgrund der Hitze krank werden… Dann griff der Bâbû, den Miss B. beleidigt hatte, auf das letzte Mittel zurück, und rettete sie und uns. Er rannte mit Nârâyana in die Felder und brachte einen ganzen Arm voll Gras, das Kusimah genannt wurde. Dieses Gras hatte dieselbe Wirkung wie Nesseln und verursachte bei der leichtesten Berührung einen Ausschlag mit großen Blasen. Ohne dies zu erklären, bat er mich, meine Handschuhe anzuziehen und Miss B.s Beine mit dem Kusimah zu reiben. Sein Gesicht und seine Hände waren bereits mit Blasen übersät, was er jedoch überhaupt nicht beachtete. Ich muss zugeben, dass ich seine Anweisungen mit Inbrunst ausführte. Ich hoffte irgendwie…, fühlte es mehr, dass der Thâkur es nicht zulassen würde, dass solch ein tragisches Geschehen wie der Tod der Engländerin auf unserer Reise eintreten würde. Es war mir jedoch ein angenehmer Gedanke, ihr ein unangenehmes, doch gesundes Jucken zuzufügen. Nach fünf Minuten des Reibens waren die Beine der Engländerin mit Blasen übersät, aber das Ergebnis war, dass sie ihre Augen öffnete und die Befriedigung hatte (was ich wenigstens hoffte), dass der 'Sohn einer verachteten Rasse' sie pflegte. Der Bâbû beschränkte sich nicht nur darauf, sondern der kleine Bengali blieb bei ihr und wechselte die ganze Nacht hindurch das kühlende Eispaket auf ihrem Kopf, das wir aufgrund unserer telegraphischen Bestellung aus Âgra erhalten hatten, während Mr. W., ihr Landsmann, im Nebenraum mit der Begründung schnarchte, dass er müde sei und sich nicht wohl fühle…

Am nächsten Morgen bestimmte der mit dem ersten Zug eingetroffene Arzt, dass seine Patientin nach Âgra gebracht werden sollte, um später, nachdem sie sich erholt hatte, nach Bombay weiterzufahren… Mr. W. musste mit Miss B. reisen, da wir sie in ihrem Zustand nicht allein reisen lassen konnten, und wir selbst konnten nicht zurückreisen, ohne Svâmi Dayânanda besucht zu haben.

Aber lasst uns nun zu den Ereignissen zurückkehren, die sich einige Stunden zuvor ereignet hatten. Am Abend nach der Katastrophe, nachdem die Patientin eingeschlafen war, saßen vier unserer Gruppe, der Thâkur, der Colonel, Nârâyana und ich selbst, nahe den Zelten zusammen, die für uns hinter dem Garten der Station errichtet worden waren. Die Zelte gehörten dem Thâkur. Sie waren plötzlich – wie durch Magie – aufgetaucht und waren sehr merkwürdig. Unter anderen Umständen hätte ihre Konstruktion die Aufmerksamkeit unseres Präsidenten geweckt, der an Neuigkeiten immer sehr interessiert war. Die Zelte bestanden aus mehreren Räumen (ein Schlafzimmer, ein Empfangszimmer und sogar ein kleines Badezimmer), die mit östlichen Möbeln ausgestattet waren und um die herum ein kleiner Korridor führte. Aber in diesem Augenblick war er zu aufgeregt. Seine Gedanken drehten sich nur um seine Pflichten und Verantwortlichkeiten als Präsident der Gesellschaft und die Erkenntnis, dass es in unserer Reisegruppe Streit gegeben hatte und dass eine Teilnehmerin, gleich wie schuldig sie war, in Gefahr war zu sterben. Die Unsicherheit bezüglich der Zukunft und der tiefgehende Kummer wegen der Unmöglichkeit, zwischen den zwei Elementen der Gesellschaft unter seiner Führung und Fürsorge Frieden zu stiften, so gegensätzlich wie die hochmütigen Engländer und die Einheimischen zueinander standen, aufeinander reagierend wie Feuer und Wasser und beim leisesten Kontakt Dampf erzeugend, ließen ihm keine Ruhe. Sehr aufgeregt ging der arme Colonel im Hauptzelt auf und ab. Der Thâkur, ruhig und ungestört wie immer, saß rauchend am Eingang des Zeltes auf dem Teppich. Schließlich begann der Colonel in seiner Verzweiflung einen Monolog.

(Seiten  452-454 englische Ausgabe)

 

 


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