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„Spiritualität und Geschäftswelt”

von Dr. K. Parvathi Kumar

 

Sri K. Parvathi Kumar: Spiritualität und Geschäftswelt 

Wird in der Geschäftswelt das Wohl der Gesellschaft oder des Menschen angestrebt, besteht die Möglichkeit einer Lösung. Spiritualität beinhaltet die Synthese von gesellschaftlichen und geschäftlichen Zielen. Daher müssen wir in der Geschäftswelt und im Management spirituelle und gesellschaftliche Werte einbringen. Wenn das Management und die Geschäftsführung ohne diese höchste Wahrheit gesehen werden, ist nur eine partielle Lösung möglich. Solange der menschliche Faktor nicht die angemessene Bedeutung erhält, werden endgültige Ergebnisse ausbleiben.

Was könnte nicht alles erreicht werden, wenn die Geschäftswelt sich in spirituellen Bereichen bewegt und Güter weltweit auf bestmögliche Weise und in bester Qualität liefert? Was nicht vom Gesetz und von der Regierung erzielt werden könnte, wäre der Geschäftswelt möglich. Diese Einsichten werden bereits woanders gesehen, und die indischen Geschäftsleute sind dabei, diese Konzepte rasch aufzunehmen. Wenn wir spirituell sein möchten, werden wir einige dieser Konzepte bereits in der korporativen Welt vorfinden:

•       Wir müssen transparent sein;

•       Wir müssen uns mit der nötigen Technologie und dem Wissen ausstatten;

•       Wir müssen einen freien Informationsfluss und keine Verschwiegenheit haben.

Sogar die Banken werden heute aufgefordert, das Bankgeheimnis zu lüften. Dies ist der neue Trend. Warum soll es Geheimnisse geben, wenn wir Vertrauen haben? Wenn das Vertrauen fehlt, gibt es größere Verschwiegenheit. Weiterhin sollte es einen freien Fluss an Kommunikation geben, ebenso Gemeinsamkeit, Verbundenheit, Verpflichtung, Freundlichkeit, Koordination und Kooperation. So sollte es geschehen, und jeder Mensch sollte sich der Allgemeinheit unterordnen. Es sollte nicht heißen: 'Alle für einen', sondern 'Einer für Alle'. Dies ist Gruppenbewusstsein. Denken wir an das Wohlergehen anderer mehr als an unseren eigenen Vorteil und Nutzen, dann befinden wir uns bereits auf dem Weg zur Einsicht, zur Spiritualität.

ISBN 978-3-930637-43-0, 2. erweiterte Auflage 2009, broschiert, Format: 21 x 14,5 cm, 96 Seiten, Euro 8,--

 

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Leseprobe:

5. Das Management in der Geschäftswelt

 

Ich frage mich, ob heutzutage die Menschen ihr Geschäft managen oder ob sie von ihrem Geschäft gemanagt werden. Die Menschen sind heute voll geschäftlichen Gedanken und Überlegungen geprägt, obwohl es eigentlich anders herum sein sollte. Die Manager glauben, sie hätten sämtliche Geschäfte in der Hand. In Wahrheit jedoch werden sie von ihren Geschäften verrückt gemacht. Wer hat wen in der Hand? Das ist die Frage.

 

Was geschieht, wenn Neulinge ins Geschäftsleben eintreten? Gutgesinnte Menschen, denen an der Universität Wertesysteme vermittelt wurden, finden sich beim Eintritt in das Berufsleben in einem Konfliktfeld wieder. Irgendwie müssen sie einen Kompromiss schliessen zwischen den Werten, die sie gelernt haben und den Werten, die im Beruf gelten. Aufgrund des Konfliktes ziehen sich manche Leute schliesslich aus dem Geschäftsleben zurück, weil sie sich darin verloren fühlen. Andere verlieren sich darin (im Sinne der menschlichen Werte) und gewinnen ... ? materielle Werte. Wiederum andere sind in der Lage, einen Mittelweg zwischen beiden Extremen zu finden, ohne dabei ihre menschlichen Werte preiszugeben oder sich vollständig kommerziellen Werten zu verschreiben. Sie probieren viel aus und erreichen eine Ausgewogenheit, mit der sie ihre Geschäfte führen und gleichzeitig bestimmte menschliche Werte erhalten.

 

Das ist sehr schwer, weil - wie ganz am Anfang erwähnt - die Ziele der Spiritualität und der Geschäftswelt heute weit auseinander liegen. Solange die Geschäftsziele nicht auf die höheren Werte des Lebens abgestimmt sind, ist es nicht möglich, diesen Mittelweg zu finden. Spiritualität heisst, ein zufriedenes Leben zu führen. Durch sie gewinnt man Zufriedenheit, Gleichgewicht und Ausgeglichenheit und erreicht ein Stadium, in dem es einem nichts mehr ausmacht, wenn bestimmte Dinge fehlen. Kommerzielle Motive orientieren sich am Ergebnis. Für einen Geschäftsmann zählt nur, wieviel Gewinn oder Verlust er am Ende eines Tages oder Jahres verzeichnet. So ist selbst bei den obersten Zielen ein grundsätzlicher Unterschied gegeben. Daher sollten wir einen Weg suchen, wie wir Gewinn machen können, ohne dabei habgierig zu sein und eifersüchtig im Wettbewerb zu stehen. Entziehen wir uns dem Wettbewerb ganz, leidet vielleicht das Geschäft darunter. Nehmen wir eifersüchtig am Wettbewerb teil, leiden wir selbst. Das ist die Situation heute.

 

Einmal kam eine Gruppe von circa 12 Top-Versicherungsagenten zu mir. Sie waren die besten der Stadt, und sie suchten nach einer Anleitung, um sich persönlich weiterzuentwickeln und gleichzeitig ihr Versicherungsgeschäft weiter auszubauen. Nach einem Jahr war einer von ihnen der beste Verkäufer von Versicherungspolicen in der gesamten Region und wurde an den Runden Tisch nach Amerika eingeladen, weil er einen Umsatz von einer Milliarde mit Versicherungspolicen erreicht hatte. Ein anderer aus derselben Gruppe war kläglich gescheitert. Der eine, der in die Vereinigten Staaten eingeladen wurde, schrieb seinen Erfolg den Lehren zu, die er erhalten hatte; der andere, der scheiterte, schrieb sein Scheitern ebenfalls denselben Lehren zu. Worin liegt der Unterschied? Der Unterschied liegt in der Anwendung wie in der Fähigkeit, eine ausgewogene Vorgehensweise zu entwickeln. Es ist sehr schwer, spirituelle Werte mit dem Leben in der objektiven Welt zu vereinen. Daher zogen sich viele spirituelle Menschen aus der objektiven Welt zurück, um auf ihre Weise Seligkeit zu erfahren, doch sie verloren dadurch den Bezug zum täglichen Leben. Sri Aurobindo sagte, dass „diese Menschen durch eine falsche Anwendung sehr leicht zum Opfer ihrer eigenen Vorstellungen werden, weil sie sich durch den völligen Rückzug aus der Gesellschaft eine Atmosphäre geschaffen haben, die vollkommen harmonisch ist und in der sie ihr Leben zubringen. Sie sind keine wirkungsvollen Instrumente innerhalb der Gesellschaft. Sie stehen praktisch abseits der GeseIlschaft. Doch unsere Philosophie besagt, dass sich unser Kopf im Wald und unsere Hände in der Gesellschaft befinden sollen." Das heisst, dass wir in unseren Gedanken losgelöst und gleichzeitig hier wirksam tätig sein sollen, so dass wir ein positives Instrument bilden und denen helfen können, die im Konflikt leben. Die Situation ist schwierig, doch setzt sich diese Philosophie in der Geschäftswelt immer weiter durch.

 

Bedingt durch den Konflikt in der Geschäftswelt werden heute allmählich Managementmethoden entwickelt, die erfolgreichen Managern helfen, spannungsfrei zu leben. Jeder Manager ist ein potentieller Kandidat für Diabetes, Bluthochdruck oder Herzinfarkt. Diese drei Krankheiten sind unter den Managern, die Geschäftsverantwortung tragen, weit verbreitet. Management selbst heisst, Lösungen in Konfliktbereichen herbeizuführen, gegensätzliche Standpunkte zu vereinen und unter Einsatz von Strategien, Taktiken und Fähigkeiten die gesteckten Ziele zu erreichen. Auf der oberen Managementebene sieht sich der Mensch Herausforderungen gegenüber, und nach zwanzig Jahren ist ein erfolgreicher Manager wie eine völlig ausgequetschte Zitrone, während er sich gleichzeitig einen Namen als Business Manager gemacht hat. Im Laufe seines Lebens hat er vielleicht viele andere wertvolle Lebensbereiche ausser acht gelassen. Vielleicht hat er Schaden an seiner Gesundheit genommen und ist jetzt nicht mehr brauchbar. Ein Herzinfarkt beispielsweise setzt seinem beruflichen Aufstieg ein jähes Ende. In den zwanzig Jahren seiner Karriere steht er unter Anspannung, weil er Ergebnisse vorweisen muss. Dieser Ergebnisdruck versetzt den Menschen in einen Spannungszustand.

 

Deshalb ist eines der grundlegenden Konzepte der Spiritualität: "Arbeite, aber kümmere dich nicht um die Ergebnisse." Doch es ist sehr schwierig, dieses Konzept unter den heutigen Gegebenheiten zu verstehen. Wie kann man arbeiten, ohne sich um die Ergebnisse zu kümmern? Diese Frage wird häufig von jungen Menschen gestellt, die erst am Anfang ihres Lebens stehen. Für sie ist das richtig, aber wenn man einen Manager fragt, der dreissig oder vierzig Jahre angestrengt im 'Management-Zirkus' verbracht hat, würde er antworten: "Zum Teufel mit den Ergebnissen, gehe einfach deiner Arbeit nach, sei verantwortungsvoll, und die Ergebnisse werden folgen." Es gibt auch Manager, die auf diese Weise tätig sind. Wer hat also recht oder unrecht? Wie im Beispiel der zwei Versicherungsagenten kommt es entscheidend auf die Tiefe des Verständnisses und die Umsetzung in der Praxis an.

 

Manche Menschen sagen, dass sich nichts bewegt, solange man nichts tut. Andere sind der Ansicht, dass die Dinge geschehen. Das Geschehen überholt das Tun, und man kann ganz entspannt sein, während das Tun sich in ein Geschehen verwandelt. Für die erstgenannten stellt letzteres ein grosses Paradox dar, weil sie diesen Satz nicht verstehen. Aus demselben Grund werden auch die Aussagen in den Schriften nicht richtig verstanden. Das liegt am fehlenden Verständnis und an der fehlenden Erfahrung im Leben. Um ein Beispiel zu nennen: Wenn wir Autofahren lernen, ist am Anfang unsere ganze Aufmerksamkeit auf das Fahren gerichtet. Wir fahren mit Füssen, Händen, Augen, und selbst die Ohren sind so auf das Fahren konzentriert, dass wir der Person, die neben uns sitzt, verbieten, während der Fahrt zu sprechen, weil es uns stört. Wir fühlen uns durch ihre Worte abgelenkt, und das könnte uns in eine missliche Lage bringen - beispielsweise in einen Autounfall verwickeln. Wir sind beim Autofahren so angespannt, dass wir das Fahren 'spüren', und es ist undenkbar, nebenbei zu hören oder uns mit Freunden oder Familienangehörigen im Auto zu unterhalten. Doch allmählich bekommen wir Erfahrung im Autofahren, und wie sieht es nach zehn Jahren aus? Wir fahren einfach und hören gleichzeitig den Witzen zu, die der Beifahrer im Auto erzählt. Worin besteht der Unterschied? Fahren wir oder fahren wir nicht? Seht, wir fahren und fahren doch nicht. Wir fahren einfach, jedoch nicht mehr so überaus angespannt, weil wir durch die ständige Übung eine Selbstverständlichkeit im Fahren gewonnen haben. Solange diese Leichtigkeit fehlt, sind wir angespannt. Wenn sich eine Selbstverständlichkeit im Handeln eingestellt hat, lässt die Spannung langsam nach, und wir sehen zu, wie die Dinge geschehen. Das Gefühl des Handelns lässt nach. Es ist nur das Gefühl, das die Anspannung hervorruft, nicht die Arbeit an sich.

 

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